Wirtschaftsbericht

Unternehmensumfeld

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Die globale Ausbreitung des Coronavirus (SARS-CoV-2) und der dadurch verursachten Erkrankung Covid-19 im Frühjahr 2020 belastet die Weltwirtschaft stark. Angesichts der verschärften Infektionsschutzmaßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie sind die wirtschaftlichen Aktivitäten weltweit insbesondere im zweiten Quartal drastisch zurückgegangen.

Gemäß Angaben des Statistischen Amts der Europäischen Union reduzierte sich das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum im ersten Quartal 2020 um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Ersten Schätzungen zufolge wird für das zweite Quartal 2020 mit einem Rückgang von 12,1 Prozent gerechnet.

Auch die deutsche Wirtschaft ist stark betroffen. Insbesondere die globale Investitionsschwäche und zeitweise Unterbrechungen der Lieferketten wirkten sich deutlich negativ auf das deutsche Exportgeschäft aus. Das reale BIP sank im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal um 2,0 Prozent. Im zweiten Quartal 2020 gab das reale BIP gemäß ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamts um 10,1 Prozent nach.

Die französische Wirtschaft wurde ebenfalls wesentlich durch die Pandemie belastet. Nach Angaben des Statistischen Amts Insee ging das reale BIP im ersten Quartal 2020 um 5,9 Prozent und im zweiten Quartal 2020 um 13,8 Prozent zurück.

In Großbritannien erlitt die Wirtschaft einen deutlichen Abschwung. Das reale BIP reduzierte sich um 2,2 Prozent im ersten und um 20,4 Prozent im zweiten Quartal 2020.

Der Wachstumskurs in den USA wurde stark gebremst. Das reale BIP sank im ersten Quartal 2020 mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 5,0 Prozent. Im zweiten Quartal 2020 ging das reale BIP nach ersten Berechnungen des Bureau of Economic Analysis annualisiert um 32,9 Prozent zurück.

Die bisherigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen liegen durchweg deutlich unterhalb der erwarteten Tendenz für das laufende Jahr.

Entwicklung relevanter Märkte

Die Entwicklungen der relevanten Märkte weichen infolge der globalen Corona-Pandemie im Verlauf des ersten Halbjahres 2020 zum Teil erheblich von der im zusammengefassten Lagebericht 2019 erwarteten Tendenz für das laufende Jahr ab. Betroffen hiervon sind vor allem die TV-Werbe-, Zeitschriften- und Druckmärkte, während bislang keine bzw. nur geringfügige Auswirkungen auf die Buchverlags- und Musikmärkte sowie die für Bertelsmann relevanten Dienstleistungs- und Bildungsmärkte zu verzeichnen sind.

Die europäischen TV-Werbemärkte verzeichneten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Ungarn und Spanien starke Rückgänge. Dagegen zeigten die relevanten Video-on-Demand-Märkte ein starkes Wachstum.

Die Märkte für gedruckte Bücher entwickelten sich in den USA stabil, während in Großbritannien ein deutlicher und in Deutschland sowie im spanischsprachigen Markt ein starker Rückgang zu verzeichnen war. Die Märkte für E-Books und Hörbücher zeigten sowohl in den USA als auch in Großbritannien ein starkes Wachstum.

Die Zeitschriftenmärkte in Deutschland und Frankreich waren im ersten Halbjahr 2020 durch stark rückläufige Printanzeigen- und Vertriebserlöse geprägt, während auch die digitalen Märkte stark rückläufige Umsätze verzeichneten.

Die weltweiten Musikverlagsmärkte verzeichneten ein moderates Wachstum. Die weltweiten Tonträgermärkte verzeichneten ein leichtes Wachstum, wobei starkes Wachstum im Streaming den starken Rückgang bei Tonträgern überkompensierte.

Die für Arvato relevanten Dienstleistungsmärkte zeigten im ersten Halbjahr 2020 insgesamt ein leichtes Wachstum.

Die relevanten Tiefdruckmärkte in Deutschland, Frankreich und Großbritannien entwickelten sich in den ersten sechs Monaten 2020 stark rückläufig, ebenso die entsprechenden Offsetmärkte. Der nordamerikanische Buchdruckmarkt verzeichnete einen moderaten Rückgang.

Die US-amerikanischen Bildungsmärkte sind im Berichtszeitraum in den für Bertelsmann relevanten Marktsegmenten digitale Fort- und Weiterbildung im Gesundheitswesen, E-Learning im Bereich Technologie sowie Hochschulbildung in den Bereichen Universität und Dienstleistungen moderat bis stark gewachsen. Infolge der Corona-Pandemie konnte zum einen eine zunehmende Nachfrage nach digitalen Lernformaten verzeichnet werden, zum anderen führte die gesamtwirtschaftliche Lage zu einer Zurückhaltung von Kunden bei neuen Vertragsabschlüssen.

Wichtige Ereignisse des laufenden Geschäftsjahres

Ende Januar 2020 wurde angesichts des globalen Ausbruchs der Corona-Pandemie erstmals der Konzernkrisenstab von Bertelsmann einberufen, der Beratungsangebote und konkrete Handlungsempfehlungen für Bertelsmann-Bereiche und -Firmen erarbeitet. Der Bertelsmann-Vorstand setzte frühzeitig ein Bündel an Maßnahmen um, die der Sicherung und Ausweitung der Liquidität des Unternehmens dienten. Der Fokus lag dabei auf Kostenmaßnahmen und Investitionszurückhaltung, um dem Liquiditätsabfluss gegenzusteuern. Zudem erteilte der Vorstand Anfang März ein konzernweites Verbot für Dienstreisen und ordnete Mitte März für einen Großteil der Beschäftigten den Wechsel ins Homeoffice an. Gleichzeitig wurden die einzelnen Bertelsmann-Unternehmen mit Schutzmasken sowie Vorgaben zu Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen unterstützt, um so die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen (siehe auch „Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den verkürzten Konzern-Zwischenabschluss“ im verkürzten Konzern-Zwischenabschluss).

Im März 2020 veräußerte die zur RTL Group gehörende Groupe M6 den französischen Cashback-Anbieter iGraal an die deutsche Global Savings Group (GSG). Die Transaktion erfolgte zum Teil durch einen Aktienaustausch. Im Zuge der Übernahme wurde die Groupe M6 größter Anteilseigner der GSG.

Zum 1. April 2020 schloss Bertelsmann die Übernahme der restlichen 25 Prozent der Anteile an Penguin Random House vom Mitgesellschafter Pearson nach Erhalt aller erforderlichen kartellrechtlichen Genehmigungen ab. Zur Deckung des kurzfristigen Finanzmittelbedarfs im Rahmen des Erwerbs wurde ein Kredit in Höhe von 675 Mio. € mit einer Laufzeit von bis zu 18 Monaten im März 2020 vereinbart und in Anspruch genommen. Er wurde mit der Umsetzung diverser Kapitalmaßnahmen im ersten Halbjahr 2020 zurückgeführt (siehe Abschnitt „Finanzierungsaktivitäten“).

Im Juni 2020 wurde Henrik Poulsen, CEO des dänischen Energieunternehmens Ørsted, neu in den Aufsichtsrat von Bertelsmann berufen.

Ende Juni 2020 erwarb der internationale Informationsdienstleister Experian eine Mehrheitsbeteiligung am Geschäftsbereich Risk Management von Arvato Financial Solutions. Auf diese Weise soll die gemeinsame Marktposition gestärkt werden und eine innovative Plattform entstehen, von der Kunden der bislang getrennt voneinander auftretenden Unternehmen profitieren.

Ertragslage

Umsatzentwicklung

Die Ertragslage im ersten Halbjahr 2020 war in besonderem Maß negativ von der Corona-Pandemie beeinflusst, jedoch mit unterschiedlich starken Auswirkungen auf die einzelnen Unternehmensbereiche. Die Rückgänge bei den werbefinanzierten Geschäften konnten durch die weniger stark betroffenen Musik-, Dienstleistungs- und Bildungsgeschäfte nur teilweise kompensiert werden. Das diversifizierte Geschäftsportfolio von Bertelsmann und der hohe Anteil digitaler Geschäftsmodelle konnten die negativen Umsatzeffekte abmildern. Der Konzernumsatz ging im ersten Halbjahr 2020 um 8,9 Prozent auf 7.848 Mio. € (H1 2019: 8.612 Mio. €) zurück. Bereinigt um Wechselkurseffekte von 0,2 Prozent (H1 2019: 1,5 Prozent) sowie Portfolio- und sonstige Effekte von -1,2 Prozent (H1 2019: -0,1 Prozent) lag der organische Umsatzrückgang bei 7,9 Prozent nach einem organischen Umsatzwachstum von 3,2 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Die RTL Group verzeichnete im Berichtszeitraum einen starken Umsatzrückgang, der insbesondere auf den Einbruch der Werbebuchungen zurückzuführen war. Der Umsatz von Penguin Random House ging trotz einer erhöhten Nachfrage nach den digital verfügbaren Titeln aufgrund der zeitweisen Schließung von Buchhandlungen leicht zurück. Für Gruner + Jahr verringerte sich das Umsatzniveau stark gegenüber dem Vorjahreszeitraum durch den Corona-bedingten Rückgang des Anzeigen- und Vertriebsgeschäfts sowie die fortgesetzten Portfoliomaßnahmen. BMG konnte den Umsatz vor allem dank eines starken Wachstums im Musikstreaming steigern. Auch Arvato erzielte leichte Umsatzzuwächse und profitierte von der erhöhten Nachfrage nach Finanzdienstleistungen und IT-Lösungen. Der marktbedingte Umsatzrückgang der Bertelsmann Printing Group wurde durch die Corona-Pandemie beschleunigt. Die Bertelsmann Education Group verzeichnete trotz eines Anstiegs der Nachfrage nach Online-Bildungsangeboten einen Umsatzrückgang. Beteiligungen von Bertelsmann Investments werden in der Regel nicht vollkonsolidiert, sodass überwiegend kein Umsatzausweis für diesen Unternehmensbereich erfolgt.

Der Umsatzanteil der Wachstumsgeschäfte auf Basis einer rollierenden 12-Monats-Betrachtung lag bei 37 Prozent (H1 2019: 35 Prozent), während der Umsatzanteil strukturell rückläufiger Geschäfte mit 3 Prozent (H1 2019: 4 Prozent) zurückging. Die Wachstumsgeschäfte umfassen jene Aktivitäten, die aufgrund nachhaltig positiver Marktfaktoren kontinuierliche Umsatzsteigerungen erwarten lassen und im Rahmen der Konzernstrategie als Wachstumsprioritäten identifiziert wurden.

In der geografischen Umsatzverteilung ergaben sich nachfolgende Veränderungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatzanteil in Deutschland lag bei 32,0 Prozent im Vergleich zu 33,0 Prozent im ersten Halbjahr 2019. Auf die Geschäfte in Frankreich entfiel ein Umsatzanteil von 11,3 Prozent (H1 2019: 12,4 Prozent). In Großbritannien belief sich der Umsatzanteil auf 6,2 Prozent (H1 2019: 6,4 Prozent), während die übrigen europäischen Länder einen Umsatzanteil von 18,8 Prozent (H1 2019: 18,4 Prozent) erreichten. Der Anteil der USA am Gesamtumsatz erhöhte sich auf 25,5 Prozent (H1 2019: 23,5 Prozent), in den sonstigen Ländern wurde ein Anteil von 6,2 Prozent (H1 2019: 6,3 Prozent) erwirtschaftet. Damit betrug der Anteil des Auslandsgeschäfts am Gesamtumsatz 68,0 Prozent (H1 2019: 67,0 Prozent). Das Verhältnis der vier Erlösquellen (Produkte und Waren, Werbung und Anzeigen, Dienstleistungen, Rechte und Lizenzen) zueinander veränderte sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 leicht. Aufgrund des Corona-bedingten Nachfragerückgangs in den werbefinanzierten Geschäften reduzierte sich der „Werbung und Anzeigen“-Anteil.

Operating EBITDA

Im Berichtszeitraum ging das Operating EBITDA um 21,9 Prozent auf 1.009 Mio. € (H1 2019: 1.292 Mio. €) zurück. Der starke Rückgang ist trotz eingeleiteter Gegenmaßnahmen zur Kostenreduktion auf die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Die EBITDA-Marge reduzierte sich auf 12,9 Prozent nach 15,0 Prozent im Vorjahreszeitraum. Das Operating EBITDA der RTL Group verringerte sich spürbar gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Angesichts der Corona-Pandemie verzeichnete die RTL Group Stornierungen von Werbebuchungen und die Verschiebung von Produktionen. Positiv entwickelte sich hingegen die Anzahl zahlender Abonnenten der Streaming-Plattformen TV Now in Deutschland und Videoland in den Niederlanden. Penguin Random House verbuchte trotz eines wachsenden US-Geschäfts insgesamt einen Ergebnisrückgang. Bei Gruner + Jahr ging das Ergebnis spürbar zurück. Der hohe Informationsbedarf in Corona-Zeiten führte zwar zu gestiegenen Leserzahlen, parallel dazu reduzierten sich aber die Werbeeinnahmen stark. BMG erzielte ein stabiles Operating EBITDA und profitierte in einem schwierigen Marktumfeld vom starken Wachstum im Musikstreaming. Zum gestiegenen Operating EBITDA von Arvato trugen alle vier Geschäftsbereiche bei. Das Ergebnis der Bertelsmann Printing Group wurde neben weiter rückläufigen Volumina und anhaltendem Preisdruck zusätzlich durch die Auswirkungen der Corona- Pandemie belastet. Das Operating EBITDA der Bertelsmann Education Group gab trotz Ergebniszuwächsen insbesondere beim E-Learning-Anbieter Relias nach. Beteiligungen von Bertelsmann Investments werden in der Regel nicht vollkonsolidiert, sodass überwiegend kein operativer Ergebnisausweis für diesen Unternehmensbereich erfolgt.

Operating EBITDA

in Mio. €1. Halbjahr 20201. Halbjahr 2019
EBIT (Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern)805824
Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen auf immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen und Nutzungsrechte453461
Korrektur um in Sondereinflüssen enthaltene Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen auf immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen und Nutzungsrechte-2-12
Sondereinflüsse-24719
davon: RTL Group-69
davon: Penguin Random House69
davon: Gruner + Jahr1219
davon: BMG15
davon: Arvato-2623
davon: Bertelsmann Printing Group2677
davon: Bertelsmann Education Group-7-31
davon: Bertelsmann Investments-277
davon: Corporate4-1
Operating EBITDA1.0091.292

Sondereinflüsse

Die Sondereinflüsse beliefen sich insgesamt auf 247 Mio. € (H1 2019: -19 Mio. €). Sie setzten sich zusammen aus Wertminderungen auf sonstige Finanzanlagen zu fortgeführten Anschaffungskosten von -1 Mio. € (H1 2019 Wertaufholungen: 8 Mio. €), Wertminderungen auf at-equity bilanzierte Beteiligungen von -65 Mio. € (H1 2019: –), einem Ergebnis aus Beteiligungsverkäufen von 341 Mio. € (H1 2019: 76 Mio. €), Bewertungen von Beteiligungen zum beizulegenden Zeitwert von 60 Mio. € (H1 2019: 9 Mio. €) sowie Restrukturierungsaufwendungen und weiteren Sondereinflüssen von insgesamt -88 Mio. € (H1 2019: -105 Mio. €). Der Anstieg beim Ergebnis aus Beteiligungsverkäufen ist im Wesentlichen auf die Veräußerung einer Mehrheitsbeteiligung am Geschäftsbereich Risk Management von Arvato Financial Solutions zurückzuführen. Im ersten Halbjahr 2020 enthielten die Sondereinflüsse keine Anpassungen der Buchwerte der zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerte nach -7 Mio. € im Vorjahreszeitraum.

EBIT

Ausgehend vom Operating EBITDA ergab sich nach Einbeziehung der Sondereinflüsse in Höhe von 247 Mio. €
(H1 2019: -19 Mio. €) sowie der nicht in den Sondereinflüssen enthaltenen Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen auf immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen und Nutzungsrechte in Höhe von -451 Mio. € (H1 2019: -449 Mio. €) im Berichtszeitraum ein EBIT von 805 Mio. € (H1 2019: 824 Mio. €).

Konzernergebnis

Das Finanzergebnis belief sich auf -184 Mio. € (H1 2019: -168 Mio. €). Die Abweichung ist auf die getroffenen Maßnahmen zur Liquiditätssicherung zurückzuführen. Der Steueraufwand lag bei -133 Mio. € nach -154 Mio. € im Vorjahreszeitraum. Maßgeblich für die Abweichung war das geringere operative Ergebnis im Berichtszeitraum. Das Konzernergebnis lag somit bei 488 Mio. € (H1 2019: 502 Mio. €). Der Anteil der Bertelsmann-Aktionäre am Konzernergebnis lag bei 386 Mio. € (H1 2019: 325 Mio. €). Der Anteil der nicht beherrschenden Anteilseigner am Konzernergebnis belief sich auf 102 Mio. € (H1 2019: 177 Mio. €).

Finanz- und Vermögenslage

Finanzierungsgrundsätze

Das übergeordnete finanzpolitische Ziel von Bertelsmann ist die Gewährleistung eines ausgewogenen Verhältnisses von Finanzierungssicherheit, Eigenkapitalrentabilität und Wachstum. Dazu richtet der Konzern seine Finanzierung an den Anforderungen eines Credit Rating der Bonitätsstufe „Baa1/ BBB+“ und den damit verbundenen qualitativen und quantitativen Kriterien aus. Rating und Transparenz gegenüber dem Kapitalmarkt leisten einen bedeutenden Beitrag zur finanziellen Sicherheit und Unabhängigkeit des Unternehmens.

Entsprechend der Konzernstruktur erfolgt die Kapitalallokation zentral über die Bertelsmann SE & Co. KGaA, die die Konzerngesellschaften mit Liquidität versorgt und die Vergabe von Garantien und Patronatserklärungen für Konzerngesellschaften steuert. Der Konzern optimiert hierüber seine Kapitalbeschaffungs- und Anlagemöglichkeiten.

Die finanzielle Steuerung bei Bertelsmann erfolgt nach quantifizierten Finanzierungszielen, die sich an der wirtschaftlichen Verschuldung und mit abgeschwächter Bedeutung an der Kapitalstruktur orientieren. Zu den Finanzierungszielen gehört ein dynamischer Verschuldungsgrad (Leverage Factor), der sich aus dem Verhältnis der wirtschaftlichen Schulden zum Operating EBITDA über einen 12-Monats-Zeitraum ergibt und den definierten Wert von 2,5 nicht dauerhaft überschreiten sollte. Das Operating EBITDA (12 Monate) betrug per 30. Juni 2020 2.366 Mio. €. Die wirtschaftlichen Schulden sind definiert als Nettofinanzschulden abzüglich 50 Prozent des Nominalkapitals der Hybridanleihen in Höhe von 625 Mio. € (31. Dezember 2019: 625 Mio. €), zuzüglich Pensionsrückstellungen in Höhe von 1.949 Mio. € (31. Dezember 2019: 1.967 Mio. €), Genusskapital in Höhe von 413 Mio. € (31. Dezember 2019: 413 Mio. €) und Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 1.335 Mio. € (31. Dezember 2019: 1.392 Mio. €). Die wirtschaftlichen Schulden lagen per 30. Juni 2020 bei 6.464 Mio. € (31. Dezember 2019: 6.511 Mio. €). Bei der Ermittlung des Verschuldungsgrads werden die wirtschaftlichen Schulden und das 12-Monats-Operating-EBITDA modifiziert, um eine der Struktur des Konzerns entsprechende finanzielle Steuerung zu ermöglichen. Die wirtschaftlichen Schulden wurden daher rechnerisch um 250 Mio. € (31. Dezember 2019: 250 Mio. €) erhöht, das Operating EBITDA um -263 Mio. € (31. Dezember 2019: -291 Mio. €) vermindert. Zum 30. Juni 2020 ergibt sich somit ein Leverage Factor von 2,8 (31. Dezember 2019: 2,6). Der Anstieg des Leverage Factor ist auf das rückläufige Ergebnis zurückzuführen. Die Nettofinanzschulden beliefen sich auf 3.392 Mio. € nach 3.364 Mio. € zum 31. Dezember 2019.

Finanzierungsaktivitäten

Im März 2020 legte Bertelsmann wieder ein Debt-Issuance-Programm auf. Die Rahmendokumentation ermöglicht der Bertelsmann SE & Co. KGaA, Anleihen mit einem Volumen von insgesamt bis zu 5 Mrd. € am Kapitalmarkt zu platzieren. Unter diesem Programm wurden mit der Begebung von zwei Anleihen im Gesamtvolumen von 1,5 Mrd. € die Kapitalausstattung im Konzern gestärkt und anstehende Kapitalmarktfälligkeiten vorzeitig refinanziert. Die im April 2020 platzierte Anleihe in Höhe von 750 Mio. € hat einen Kupon von 2,0 Prozent und eine Laufzeit von acht Jahren, die im Mai 2020 platzierte Anleihe in Höhe von 750 Mio. € hat einen Kupon von 1,5 Prozent und eine Laufzeit von zehn Jahren. Zusätzlich wurden unter dem Programm zwei Privatplatzierungen über insgesamt 100 Mio. € begeben. Darüber hinaus begab Bertelsmann im Berichtszeitraum Schuldscheindarlehen in einer Gesamthöhe von 250 Mio. €.

Im ersten Halbjahr 2020 setzte Bertelsmann zudem diverse Finanzierungsmaßnahmen zur Liquiditätssicherung um. Im März 2020 wurde die revolvierende syndizierte Kreditlinie von 1,2 Mrd. € in voller Höhe in Anspruch genommen. Hiervon wurden 500 Mio. € bereits im Juni 2020 zurückgeführt. Zudem wurde im März 2020 eine bilaterale Dual-Currency-Kreditlinie in Höhe von 200 Mio. € vereinbart und in Höhe von 215 Mio. US-$ in Anspruch genommen. Des Weiteren wurde im April 2020 ein Kredit in Höhe von 300 Mio. US-$ mit einer bis zu einjährigen Laufzeit abgeschlossen. Die revolvierende syndizierte Kreditlinie in Höhe von 1,2 Mrd. € wurde im Juni 2020 um ein weiteres Jahr, bis 2025, verlängert.

Rating

Bertelsmann richtet seine Finanzierung an den Anforderungen eines Credit Rating der Bonitätsstufe „Baa1/BBB+“ aus. Aktuell wird Bertelsmann von Moody’s mit „Baa2“ (Ausblick: stabil) und von S&P mit „BBB+“ (Ausblick: negativ) bewertet. Die Einschätzung zur kurzfristigen Kreditqualität von Bertelsmann wird von Moody’s mit „P-2“ und von S&P mit „A-2“ beurteilt.

Kapitalflussrechnung

Konzern-Kapitalflussrechnung (Kurzfassung)

in Mio. €1. Halbjahr 20201. Halbjahr 2019
Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit1.138568
Cashflow aus Investitionstätigkeit-229-107
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit2.219-601
Zahlungswirksame Veränderung der liquiden Mittel3.128-140
Wechselkursbedingte und sonstige Veränderungen der liquiden Mittel2-5
Liquide Mittel am 1.1.1.6431.405
Liquide Mittel am 30.6.4.7731.260
Abzüglich liquider Mittel der Veräußerungsgruppen-29
Liquide Mittel am 30.6. (laut Konzernbilanz)4.7731.231

Im Berichtszeitraum wurde ein Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit in Höhe von 1.138 Mio. € generiert (H1 2019: 568 Mio. €). Der Cashflow aus Investitionstätigkeit belief sich auf -229 Mio. € nach -107 Mio. € im Vorjahreszeitraum. Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit lag bei 2.219 Mio. € (H1 2019: -601 Mio. €). Die Abweichung ist zurückzuführen auf die Emissionserlöse der begebenen Anleihen und Schuldscheindarlehen sowie den Rückgang bzw. die Aussetzung der Dividendenzahlungen an Bertelsmann-Aktionäre und nicht beherrschende Anteilseigner. Die liquiden Mittel erhöhten sich auf 4,8 Mrd. € zum 30. Juni 2020 (31. Dezember 2019: 1,6 Mrd. €). Der deutliche Anstieg ist auf die Kapitalmarktmaßnahmen zurückzuführen, die unter anderem der Sicherung und Ausweitung der Liquidität von Bertelsmann dienen.

Investitionen

Im ersten Halbjahr 2020 beliefen sich die Investitionen gemäß Kapitalflussrechnung auf 402 Mio. € (H1 2019: 578 Mio. €). Die Investitionen in immaterielle Vermögenswerte betrugen 174 Mio. € (H1 2019: 141 Mio. €) und entfielen insbesondere auf die RTL Group für Investitionen in Filmrechte sowie auf BMG für den Erwerb von Musikkatalogen. Von den Sachanlageinvestitionen in Höhe von 139 Mio. € (H1 2019: 155 Mio. €) entfiel wie im Vorjahreszeitraum ein Großteil auf Arvato. Für Investitionen in Finanzanlagen wurden 79 Mio. € (H1 2019: 189 Mio. €) aufgewandt. Kaufpreiszahlungen für konsolidierte Beteiligungen (abzüglich erworbener liquider Mittel) lagen im Berichtszeitraum bei 10 Mio. € (H1 2019: 93 Mio. €).

Nach Berücksichtigung der übernommenen Finanzschulden und Kaufpreiszahlungen für Anteilsaufstockungen an Tochterunternehmen, insbesondere für die vollständige Übernahme von Penguin Random House, erhöhten sich die wirtschaftlichen Investitionen im ersten Halbjahr 2020 auf insgesamt 1.139 Mio. € (H1 2019: 612 Mio. €). Diese Auszahlungen für Anteilsaufstockungen werden gemäß den IFRS als Veränderung des Eigenkapitals klassifiziert und dem Cashflow aus Finanzierungstätigkeit zugeordnet. Aus Unternehmenssicht sind diese Auszahlungen wirtschaftlich vergleichbar mit Kaufpreiszahlungen für konsolidierte Beteiligungen und haben somit Investitionscharakter.

Bilanz

Zum 30. Juni 2020 betrug die Bilanzsumme 29,7 Mrd. € (31. Dezember 2019: 27,3 Mrd. €). Die Pensionsrückstellungen reduzierten sich leicht auf 1,9 Mrd. € (31. Dezember 2019: 2,0 Mrd. €). Das Eigenkapital betrug 10,2 Mrd. € nach 10,4 Mrd. € zum 31. Dezember 2019. Daraus ergab sich eine Eigenkapitalquote von 34,2 Prozent (31. Dezember 2019: 38,2 Prozent). Die liquiden Mittel erhöhten sich zum 30. Juni 2020 deutlich auf 4,8 Mrd. € nach 1,6 Mrd. € zum 31. Dezember 2019. Hintergrund sind die in den Finanzierungsaktivitäten genannten Kapitalmarkttransaktionen zur Liquiditätssicherung sowie die Erhöhung des Cashflows aus betrieblicher Tätigkeit.

Mitarbeiter

Zum 30. Juni 2020 beschäftigte Bertelsmann weltweit 126.398 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Geschäftsverlauf der Bereiche des Konzerns

RTL Group

Die RTL Group verzeichnete aufgrund der Corona-Pandemie einen starken Rückgang der Werbebuchungen, was vor allem im zweiten Quartal zu spürbaren Rückgängen bei Umsatz und Ergebnis führte. Nettoreichweite, Sehdauer und digitale Nutzung ihrer Sender und Plattformen konnte die Gruppe hingegen steigern. Der Umsatz der RTL Group betrug im ersten Halbjahr 2,7 Mrd. € (H1 2019: 3,2 Mrd. €, -16,4 Prozent), das Operating EBITDA ging um 42,5 Prozent auf 382 Mio. € zurück (H1 2019: 665 Mio. €). Das Management steuerte mit liquiditätssichernden Maßnahmen wie Kosten- und Cashflow- Management gegen, ohne an die Substanz zu gehen oder die Investitionen in den Ausbau der Streaming-Angebote zu verringern.

Die Streaming-Dienste TV Now in Deutschland und Videoland in den Niederlanden konnten ihre Abonnentenzahlen weiter stark steigern. Sie verzeichneten zum Ende des ersten Halbjahres zusammen 1,8 Millionen zahlende Abonnenten, 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei der Groupe M6 in Frankreich stieg die Zahl der aktiven Nutzerinnen und Nutzer des werbefinanzierten Streaming-Dienstes 6play um eine Million auf mehr als 17 Millionen. Der kommerzielle Start von Salto, dem gemeinsamen Bezahl-Streaming-Dienst von Groupe TF1, France Télévisions und Groupe M6, soll im Herbst 2020 erfolgen.

Die Mediengruppe RTL Deutschland, die Groupe M6 und RTL Nederland verzeichneten im Berichtszeitraum jeweils starke Rückgänge bei den Werbeeinnahmen. Die Unternehmen trafen mit ihren Informations- und Unterhaltungsangeboten während der Corona-Pandemie aber auf ein deutlich gestiegenes Zuschauerinteresse. Die RTL Group erzielte in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden Marktanteilsgewinne in den Netto-TV-Werbemärkten und verzeichnete eine bessere Entwicklung im Zuschauermarkt als ihre privaten Wettbewerber.

Die Produktionstochter Fremantle sah sich vor dem Hintergrund strenger Infektionsschutzvorgaben mit Einschränkungen bei der Film- und Fernsehproduktion konfrontiert, was zu weniger Auslieferungen von Shows und zur Verschiebung mehrerer Produktionen führte. Gegen Ende des zweiten Quartals konnte die Produktion in den meisten Märkten mit entsprechenden Schutzmaßnahmen wieder aufgenommen werden. Mit zahlreichen High-End-Produktionen ist Fremantle für die hohe Nachfrage von Broadcastern und Streaming- Plattformen nach neuen Inhalten gerüstet.

Penguin Random House

Bertelsmann erwarb im ersten Halbjahr die restlichen 25 Prozent der Anteile von Mitgesellschafter Pearson an Penguin Random House und ist damit seit dem 1. April 2020 Alleineigentümer der internationalen Publikumsverlagsgruppe. Im Zuge dessen wurde die deutschsprachige Verlagsgruppe Random House integriert und in Penguin Random House Verlagsgruppe umbenannt.

Wirtschaftlich wirkte sich die Corona-Pandemie infolge der weitverbreiteten Schließung von Buchhandlungen negativ auf einzelne Geschäfte aus. Dabei erwies sich das US-Geschäft als besonders resilient; es konnte Einbußen in anderen Ländern teilweise kompensieren. Insgesamt lagen so Umsatz und Ergebnis von Penguin Random House nur leicht unter Vorjahresniveau. Der Umsatz erreichte 1,6 Mrd. € (H1 2019: 1,7 Mrd. €, -1,4 Prozent), das Operating EBITDA gab um 8,0 Prozent auf 209 Mio. € (H1 2019: 227 Mio. €) nach.

Meistverkaufter Roman im ersten Halbjahr war „Where the Crawdads Sing“ von Delia Owens mit mehr als 1,6 Millionen Exemplaren; insgesamt stieg der Absatz des Titels allein in Nordamerika damit auf mehr als 6,5 Millionen Exemplare in allen Formaten seit 2018. Bei den Sachbüchern verkauften sich „Untamed“ von Glennon Doyle und Michelle Obamas Memoiren „Becoming“ jeweils über eine Million Mal. Auch „How to Be an Antiracist“ von Ibram X. Kendi erwies sich als starker Bestseller.

In den USA platzierte Penguin Random House 164 Titel auf den Bestsellerlisten der „New York Times“, davon 29 auf Platz eins (H1 2019: 191/21). In Großbritannien stammten 34 Prozent aller Titel auf den Bestsellerlisten der „Sunday Times“ von Penguin Random House UK (H1 2019: 46 Prozent) und in Deutschland stellte die Penguin Random House Verlagsgruppe (bisher Verlagsgruppe Random House) 253 Titel auf den „Spiegel“-Bestsellerlisten, darunter 11 auf Platz eins (H1 2019: 261/13).

Penguin Random House profitierte während der Corona-Pandemie von seiner hohen Anzahl digital verfügbarer Titel (E-Books, Hörbücher) und von einer hochmodernen Vertriebslogistik. Dies ermöglichte es, trotz massiver Einschränkungen im stationären Einzelhandel die nach wie vor große Nachfrage nach Neuerscheinungen und Backlist-Titeln in allen Formaten zu bedienen. In allen Märkten entwickelte die Verlagsgruppe im Zusammenspiel mit Autorinnen und Autoren sowie dem Handel innovative Wege, um das Lesepublikum bestmöglich online zu erreichen.

Gruner + Jahr

Die Verlagstochter Gruner + Jahr verzeichnete im ersten Halbjahr 2020 starke Rückgänge bei Umsatz und Ergebnis, die nahezu vollständig auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie und Portfolioentscheidungen aus dem Jahr 2019 zurückzuführen sind. Der Umsatz ging auf 524 Mio. € zurück (H1 2019: 677 Mio. €), auch bedingt durch den Verkauf der Motor Presse Stuttgart im vergangenen Jahr. Der Umsatzrückgang konnte kostenseitig weitgehend kompensiert werden. Das Operating EBITDA lag bei 28 Mio. € (H1 2019: 62 Mio. €). Der Anteil des Digitalgeschäfts am Gesamtumsatz konnte abermals gesteigert werden; er lag in den Kernmärkten Deutschland und Frankreich bei 44 Prozent.

Infolge der Pandemie gingen in Deutschland Umsatz und Ergebnis stark zurück. Ursachen hierfür sind vor allem der rückläufige Anzeigenmarkt und Geschäfte wie beispielsweise die kulinarisch-kulturellen Stadtführungen „Eat the World“, die für mehrere Monate nicht durchgeführt werden konnten. Das Nachrichtenmagazin „Stern“ verzeichnete dagegen Ergebniswachstum, da die Zuwächse im Digitalgeschäft und bei den Vertriebserlösen die Rückgänge vor allem bei den Printanzeigenerlösen übertrafen. Mit Beginn der Corona-Pandemie stieg insgesamt die Mediennutzung bei der Verlagstochter. Dies wirkte sich insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel positiv auf die Einzelverkaufszahlen von Magazinen wie „Stern“, „Gala“ und „Brigitte“ aus. Auch die Abonnements entwickelten sich in Print und Digital positiv. Das Digitalangebot von „Chefkoch“ verzeichnete starke Reichweitenzuwächse und erreichte im Mai fünf Millionen registrierte Nutzerinnen und Nutzer. Der Content-Communication-Anbieter Territory erzielte trotz Corona-Pandemie ein stabiles Ergebnis.

G+J Frankreich verzeichnete einen starken Rückgang in Umsatz und Ergebnis. Auch hier kamen negative Effekte der Corona-Pandemie auf das Anzeigen- und Vertriebsgeschäft zum Tragen. Zusätzlich beeinträchtigte die Insolvenz eines nationalen Pressevertriebsdienstleisters das Vertriebsgeschäft. Umsatz und Ergebnis der DDV Mediengruppe lagen ebenfalls aufgrund der Pandemie unter Vorjahr.

Im Rahmen der Bertelsmann Content Alliance übernahm G+J weiterhin eine führende Rolle bei der Steuerung der Zusammenarbeit aller Inhaltegeschäfte von Bertelsmann. So wurden weitere bereichsübergreifende Formate entwickelt. „Gemeinsam gegen Corona“ war mit rund 80 Formaten, Programmen und Aktivitäten die in Deutschland größte bereichsübergreifende Kampagne im Kontext der Corona-Pandemie.

BMG

Die Bertelsmann-Musiktochter BMG steigerte im ersten Halbjahr ihren Umsatz und hielt das operative Ergebnis stabil. Der Umsatz erhöhte sich um 4,8 Prozent auf 282 Mio. € (H1 2019: 269 Mio. €), das Operating EBITDA erreichte erneut 49 Mio. € (H1 2019: 49 Mio. €, -0,1 Prozent). Dank eines dynamischen Wachstums beim Musikstreaming und begünstigt durch die breite, digitale Aufstellung des Unternehmens konnten Einnahmeausfälle etwa aufgrund verschobener Releases und Beeinträchtigungen in der physischen Distribution mehr als ausgeglichen werden. Der Erlösanteil digitaler Geschäfte am Gesamtumsatz von BMG stieg im Berichtszeitraum auf 59,0 Prozent (H1 2019: 56,0 Prozent).

Im Labelgeschäft veröffentlichte BMG erfolgreiche neue Werke des Rappers KSI, des Hip-Hop-Duos Run The Jewels, von Reggae-Sänger Conkarah oder Newcomer Curtis Waters. Neue Label-Verträge wurden mit Aloe Blacc, Jason Mraz, Run The Jewels und CHAII abgeschlossen.

Im Verlagssegment kamen starke Performances von Lewis Capaldi, der Rockband Blossoms, von den Rappern Ufo361 und NAV sowie Tame Impala aus Australien. Die Rolling Stones legten mit „Living In A Ghost Town“ die erste neue Komposition seit acht Jahren vor. Neue Publishing-Verträge unterzeichneten unter anderem Erika Ender, Diane Warren, Runaway June und Patricia Kelly.

Zu den weiteren Transaktionen des Halbjahres zählten die Vereinbarung globaler Partnerschaften mit den britischen ITV Studios sowie mit dem Plattenlabel Dark Horse Records von Ex-Beatle George Harrison. BMG weitete das Angebot für Künstlerinnen und Künstler um einen Service für Leistungsschutzrechte aus, expandierte im Bereich Production Music nach Kanada und startete in den USA das neue Label Renew Records. BMG Production Music vereinbarte eine Kooperation mit der KI-basierten Music-to-Video-Plattform MatchTune.

Im Zuge der Corona-Pandemie startete BMG eine neue Funktion im Serviceportal myBMG, die es Künstlerinnen und Künstlern ermöglicht, gemeinsam mit Songwritern an Kreativprojekten zu arbeiten.

Arvato

Die Geschäfte von Arvato haben sich in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2020 trotz der Corona-Pandemie in Summe positiv entwickelt. Die international agierende Dienstleistungsgruppe konnte sowohl den Umsatz als auch das operative Ergebnis leicht verbessern. Der Umsatz wuchs um 2,3 Prozent auf 2,1 Mrd. € (H1 2019: 2,0 Mrd. €), das Operating EBITDA stieg um 16,0 Prozent auf 305 Mio. € (H1 2019: 263 Mio. €). Zu dieser positiven Entwicklung haben alle Solutions Groups beigetragen.

Beachtlich gut haben sich die bei Arvato Supply Chain Solutions gebündelten Logistikdienstleistungsgeschäfte entwickelt. Dies ist insbesondere auf die gute Performance in den Segmenten E-Commerce, Hightech und Healthcare zurückzuführen. Das weltweite Standortnetzwerk wurde durch die Inbetriebnahme von neuen sowie den Ausbau bestehender Distributionszentren unter anderem in den USA, Russland und der Türkei weiter gestärkt. Zudem wurde gezielt in die digitale Transformation der eigenen Geschäftsmodelle investiert.

Die Geschäfte von Arvato Financial Solutions sind erneut gewachsen. Umsatz und Ergebnis liegen über den Vergleichswerten des Vorjahreszeitraums. Gestützt wurde diese Entwicklung vor allem durch einen guten Geschäftsverlauf in den Bereichen Risikomanagement und „Pay after Delivery“. Im Juni konnte der Verkaufsprozess von 60 Prozent der Anteile des Risk-Management-Geschäfts an den Informationsdienstleister Experian erfolgreich abgeschlossen werden. Im gleichen Monat erwarb Arvato Financial Solutions die verbleibenden Anteile der MF Group, eines in der Schweiz ansässigen Anbieters für E-Commerce-B2C-Factoring-Lösungen.

Der IT-Dienstleister Arvato Systems entwickelte insbesondere in den wichtigen Zukunftsbereichen Cloud-Computing und Künstliche Intelligenz (KI) die eigenen Angebote und Geschäftsmodelle erfolgreich weiter. Im zweiten Quartal hat Arvato Systems zudem zahlreiche Kunden mit umfassenden IT-Lösungen und Services dabei unterstützt, Homeoffice-Lösungen kurzfristig umzusetzen, und damit einen wichtigen Beitrag geleistet, um die negativen Folgen der Corona-Pandemie für Kunden abzuschwächen.

Das CRM-Unternehmen Majorel, das bei Bertelsmann vollkonsolidiert wird, hat sich im ersten Halbjahr gut entwickelt und sowohl den Umsatz als auch das Ergebnis gesteigert. International konnte Majorel unter anderem die Geschäfte mit einem großen Social-Media-Anbieter aus Asien ausbauen. In Deutschland wurde gemeinsam mit Arvato Financial Solutions ein großes Kommunikationsprojekt für den Kunden Volkswagen erfolgreich realisiert.

Bertelsmann Printing Group

Die Bertelsmann Printing Group (BPG) verzeichnete im ersten Halbjahr 2020 Rückgänge bei Umsatz und operativem Ergebnis. Hintergrund für diese Entwicklung ist die bereits seit einigen Jahren herausfordernde Situation auf dem Druckmarkt, die sich im Zuge der Corona-Pandemie nochmals zugespitzt hat. Insbesondere im Kundenkreis Frankreich und in der Reisebranche wurden Aufträge kurzfristig storniert, Verlagsobjekte im Umfang reduziert oder sogar eingestellt. Der Umsatz der Gruppe ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,1 Prozent auf 650 Mio. € (H1 2019: 766 Mio. €) zurück. Das Operating EBITDA belief sich auf 19 Mio. € (H1 2019: 30 Mio. €).

Die in der BPG DACH gebündelten Druckgeschäfte der Gruppe in Deutschland, Österreich und der Schweiz verzeichneten in den ersten sechs Monaten vor allem pandemiebedingt einen deutlichen Rückgang in Bezug auf Umsatz und operatives Ergebnis. Mohn Media lag aufgrund einer niedrigeren Auslastung im Buch-, Katalog- und Zeitschriftensegment deutlich unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Das Prospektgeschäft hingegen konnte unter anderem durch die Akquise eines großen Neukunden gesteigert werden. Prinovis Deutschland hat sich im Berichtszeitraum vor allem aufgrund der geplanten Kapazitätsreduktion am Schließungsstandort Nürnberg, aber auch aufgrund von Umfangsreduktionen im Zeitschriftensegment erneut rückläufig entwickelt.

Das auf Printlösungen für Buchverlage ausgerichtete Unternehmen GGP Media konnte den Absatzrückgang im Buchhandel durch zusätzliche Aufträge bei Bestands- und Neukunden ausgleichen. Die auf Zeitschriften und Kataloge im kleinen bis mittleren Auflagenbereich spezialisierte BPG Tochter Vogel Druck hat aufgrund von Auftragsstornos im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutliche Einbußen hinnehmen müssen.

Die in der BPG gebündelten Direktmarketinggeschäfte verzeichneten pandemiebedingt ebenfalls eine rückläufige Umsatz- und Ergebnisentwicklung. Dem Multipartner-Bonusprogramm DeutschlandCard ist es gelungen, den Vertrag mit dem Gründungspartner Edeka langfristig zu verlängern.

Die Druckaktivitäten der Gruppe in Großbritannien wurden von der Pandemie ebenfalls hart getroffen. Umsatz und Ergebnis sind aufgrund von Volumenreduktionen vor allem bei periodischen Supplements stark rückläufig; umfassende Gegenmaßnahmen zur Kapazitätsanpassung wurden eingeleitet. Ähnliches gilt für die Druckgeschäfte in den USA.

Die Umsätze in der Speichermedienreplikation gingen zurück, entwickelten sich vor dem Hintergrund des rückläufigen Marktes aber besser als geplant. Das Geschäft mit nachhaltigen Verpackungslösungen für die Lebensmittelbranche wurde weiter ausgebaut.

Bertelsmann Education Group

Die Bertelsmann Education Group verzeichnete im ersten Halbjahr einen Umsatz- und Ergebnisrückgang; bereinigt um Portfolioeffekte legte der Umsatz zu. Vor allem der E-Learning- Anbieter Relias, der sich auf Fort- und Weiterbildungen für das Gesundheitswesen spezialisiert hat, profitierte von einer erhöhten Nachfrage.

In Summe erzielten die Bertelsmann-Bildungsgeschäfte einen um 5,9 Prozent verringerten Umsatz von 158 Mio. € (H1 2019: 168 Mio. €). Das Operating EBITDA der Bertelsmann Education Group erreichte 40 Mio. € (H1 2019: 41 Mio. €, -3,1 Prozent). Die Rückgänge sind im Wesentlichen auf den Weiterverkauf einer Sparte des 2018 erworbenen Weiterbildungsspezialisten OnCourse und auf den Verlust eines wichtigen Kunden beim US-Hochschuldienstleister HotChalk zurückzuführen.

Relias verzeichnete ein deutliches Wachstum, obwohl im Zuge der Corona-Pandemie viele mit physischer Präsenz verbundene Bildungsangebote gestrichen werden mussten. Das Unternehmen investierte in neue Produkte und Technologie; so wurden neue mobile Applikationen sowie ein „virtueller Klassenraum“ eingeführt, mit dessen Hilfe die mehr als 11.000 institutionellen Kunden des Unternehmens Gesundheitsschulungen online abhalten können. Präventions- und Hygienekurse wurden von Relias ab März in den USA, Europa und Asien kostenfrei zur Verfügung gestellt, um einen Beitrag zur Bekämpfung des Coronavirus zu leisten.

Auch die Online-Weiterbildungsplattform Udacity, an der Bertelsmann maßgeblich beteiligt ist, wuchs im ersten Halbjahr und startete neue Lehrangebote. So wurden Nanodegree-Kurse für Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen und die Ausbildung zum AWS Cloud Architect eingeführt. Die Plattform verzeichnete eine starke Nachfrage seitens Unternehmenskunden, die ihre Belegschaften online weiterbilden wollten. In Reaktion auf die Corona-Pandemie legte Udacity ein umfangreiches Stipendienprogramm sowie für den Monat März freie Kursangebote auf, um Arbeitssuchenden neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen.

Die auf Psychologie und Pädagogik spezialisierte Alliant International University verzeichnete Umsatzzuwächse, vor allem durch einen Ausbau des Onlineunterrichts.

Bertelsmann Investments

Bertelsmann Investments tätigte im Berichtszeitraum 29 Neu- und Folgeinvestitionen, in der Mehrzahl über die Fonds Bertelsmann Asia Investments (BAI), Bertelsmann India Investments (BII) und Bertelsmann Digital Media Investments (BDMI). Parallel gelangen vier Exits, sodass Bertelsmann Investments zum 30. Juni 2020 insgesamt 241 Beteiligungen hielt.

Die Geschäftsentwicklung von Bertelsmann Investments wird im Wesentlichen auf Basis des EBIT dargestellt. Dieses lag im ersten Halbjahr 2020 bei 23 Mio. € (H1 2019: -9 Mio. €).

BAI tätigte im Berichtszeitraum acht Neu- und Folgeinvestitionen, z. B. in den Cloud-Software- und Service-Provider CloudChef, in die Nachhilfe-App Feibai sowie in den Digitaldienstleister Deepexi. Darüber hinaus profitierte BAI von Erlösen aus Teilverkäufen von Anteilen.

In Brasilien profitierte BBI von einem Teilexit beim brasilianischen Bildungsunternehmen Afya, an dem Bertelsmann über eine Fondsbeteiligung mit dem Partner Crescera Investimentos beteiligt ist.

BII unterstützte seine indischen Portfoliounternehmen und tätigte vier Follow-on-Investments, u. a. in die Fintech-Unternehmen Lendingkart und Rupeek. BII vollzog den vollständigen Exit bei der Musikstreaming-Plattform Saavn mit dem zweiten Teilverkauf an Reliance Jio.

BDMI zählte zwölf Neu- und Folgeinvestitionen, darunter in die neuen Beteiligungen an der Marktforschungsplattform Suzy sowie der Übersetzungssoftware Papercup. Neben zwei neuen Beteiligungen an Fonds (Bitkraft Esports Ventures I und Betaworks 2.0) beteiligte sich BDMI an Follow-ons beim Fundraising-Start-up Omaze und am Text-zu-Video-Start-up Wibbitz. Einen erfolgreichen Exit bescherte BDMI ein Verkauf der Anteile an Skimlinks, einer Affiliate-Marketing-Plattform.

Bertelsmann Investments investierte zudem in den Südostasien und Indien-Fonds der Investmentfirma Vertex Ventures, die zu Temasek, dem Staatsfonds von Singapur, gehört. Außerdem fanden in Europa vier weitere Fondsinvestments statt, u. a. in Alpha Intelligence Capital. So stärkt Bertelsmann Investments sein Netzwerk in den Bereichen Artificial Intelligence und Machine Learning.

Nachtragsbericht

Im Juli 2020 hat Bertelsmann im Rahmen einer Privatplatzierung eine festverzinsliche Anleihe über 250 Mio. € mit einer Laufzeit von zwei Jahren begeben, eine bilaterale Kreditlinie in Höhe von 215 Mio. US-$ wurde zurückgeführt.

Risiko- und Chancenbericht

Risikomanagementsystem

Für die Beschreibung des Risikomanagementsystems (RMS) sowie des rechnungslegungsbezogenen RMS und des Internen Kontrollsystems (IKS) von Bertelsmann wird auf den zusammengefassten Lagebericht 2019 verwiesen.

Wesentliche Veränderungen der Risiken im Vergleich zum zusammengefassten Lagebericht 2019

Hinsichtlich der Darstellung der wesentlichen Risiken wird ebenfalls auf die jeweiligen Angaben im zusammengefassten Lagebericht 2019 verwiesen. Insgesamt gelten zum 30. Juni 2020 die gleichen Konzernrisiken als wesentlich wie bereits zum 31. Dezember 2019. Jedoch hat sich die Bedeutung einzelner Risikoarten im Hinblick auf die künftige Geschäftsentwicklung von Bertelsmann verändert. Dies ist insbesondere auf den Anstieg der Risiken aus der konjunkturellen Entwicklung aufgrund der Corona-Pandemie zurückzuführen, die nunmehr das bedeutendste Risiko im Konzern darstellt.

Strategische und operative Risiken

Die Risikolage hat sich für den Konzern gegenüber der Darstellung im zusammengefassten Lagebericht 2019 deutlich verändert. Der gesamtwirtschaftliche Abschwung infolge der Corona-Pandemie trifft auch die Geschäfte von Bertelsmann, insbesondere die werbefinanzierten Geschäfte der RTL Group und von Gruner + Jahr. Ferner wird der strukturelle Rückgang in den Druckgeschäften durch die wirtschaftliche Entwicklung nochmals beschleunigt. Neben den bereits ersichtlichen Umsatz und Ergebnisauswirkungen besteht eine hohe Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie und hinsichtlich einer damit in Zusammenhang stehenden möglichen gesamtwirtschaftlichen Erholung. Dies erschwert eine Risikoeinschätzung über das Geschäftsjahr 2020 hinaus.

Viele Volkswirtschaften verzeichneten historische Konjunktureinbrüche, insbesondere im zweiten Quartal 2020. Zwar scheint der Tiefpunkt der Krise erreicht zu sein, die Ungewissheit über die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie bleibt aber bestehen. Hinzu kommen bereits vor der Pandemie bestehende Risiken wie eine Ausweitung protektionistischer Maßnahmen und die ungewissen langfristigen Auswirkungen des Austritts von Großbritannien aus der EU. Für Bertelsmann könnten sich hieraus zusätzliche Risiken insbesondere für die werbefinanzierten Geschäfte ergeben.

Rechtliche und regulatorische Risiken

Hinsichtlich der rechtlichen und regulatorischen Risiken wird auf den zusammengefassten Lagebericht 2019 verwiesen. Es sind keine wesentlichen Veränderungen festzustellen.

Finanzmarktrisiken

Die Finanzmarktrisiken sind im Vergleich zum zusammengefassten Lagebericht 2019 auf ein moderates Niveau gestiegen. Der Aufbau einer strategischen und vorausschauenden Liquiditätsreserve im Zuge der Corona-Pandemie führt insbesondere zu gestiegenen Zinsrisiken bei der Anlage der Liquidität.

Gesamtrisiko

Die Gesamtrisikoposition hat sich insgesamt deutlich erhöht. Trotz der Auswirkungen infolge der Corona-Pandemie sind zum 30. Juni 2020 für Bertelsmann keine bestandsgefährdenden Risiken festzustellen.

Chancen

Die Einschätzung der Chancen hat sich im Vergleich zur Darstellung im zusammengefassten Lagebericht 2019 nicht wesentlich geändert. Durch die zunehmende Digitalisierung einzelner Lebensbereiche, die sich infolge der globalen Corona-Pandemie nochmals beschleunigt hat, ergeben sich jedoch zusätzliche Chancen. So könnte die Nutzung digitaler Medienformate und Online-Bildungsangebote nachhaltig steigen und der Bereich der Dienstleistungsgeschäfte mit digitalen Kunden und E-Commerce-Lösungen wachsen.

Prognosebericht

Nach der Lockerung von Infektionsschutzmaßnahmen im In- und Ausland sowie der massiven Unterstützung durch die Geld- und Finanzpolitik gibt es erste Erholungsanzeichen für die Weltwirtschaft. Allerdings ist diese konjunkturelle Erholung noch sehr fragil, insbesondere mit Blick auf die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie und mögliche erneute Einschränkungen. Unter der Voraussetzung, dass die Entwicklung der Pandemie eine nachhaltige und weitgehende Lockerung der Eindämmungspolitik erlaubt, wird für die zweite Jahreshälfte 2020 eine allmähliche Erholung der Weltwirtschaft erwartet. Die Konjunktureinschätzungen des Instituts für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW) zur weltwirtschaftlichen Entwicklung liegen mit -3,8 Prozent für das Gesamtjahr 2020 jedoch deutlich unter den bisherigen Erwartungen.

Im Euroraum trifft die Corona-Pandemie zwar alle EU-Staaten, doch die Tiefe der Rezession dürfte ungleich ausfallen. Insgesamt rechnet das IfW für den Euroraum mit einem Rückgang des realen BIP von 8,6 Prozent für das Jahr 2020. Dabei wird das BIP in Deutschland erwartungsgemäß um 6,8 Prozent sinken. In Frankreich, das von der Pandemie besonders schwer betroffen ist, wird sogar mit einem Rückgang von 11,0 Prozent gerechnet. Auch für Großbritannien wird ein starker Einbruch erwartet. Nach Einschätzung des IfW könnte das reale BIP im Jahr 2020 um 9,1 Prozent schrumpfen. Der Konjunkturausblick für die USA hat sich ebenfalls deutlich eingetrübt. Das IfW rechnet im Jahr 2020 mit einem Rückgang des realen BIP um 5,8 Prozent.

Die vorliegenden Einschätzungen unterliegen einem besonders hohen Maß an Unsicherheit. Die Bewertung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und das Ausmaß des Abschwungs sind nur vorläufig abzuschätzen und daher unzureichend prognostizierbar. Darüber hinaus könnten geopolitische Krisen, Staatsdefizite, Währungsturbulenzen oder die Einführung höherer Zölle infolge zunehmender protektionistischer Tendenzen die Wirtschaftsentwicklung zusätzlich beeinträchtigen. Die hieraus resultierenden Entwicklungen könnten sich negativ auf die Konjunkturlage auswirken, die ein wichtiger Einflussfaktor für die Geschäftsentwicklung von Bertelsmann ist.

Abweichend vom Prognosebericht im Geschäftsbericht 2019 wird im Zusammenhang mit dem globalen Ausbruch der Corona-Pandemie von einer erheblichen Belastung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und des Konsumentenvertrauens in den für Bertelsmann relevanten Volkswirtschaften ausgegangen. Dies betrifft mehrere Geschäftsbereiche von Bertelsmann, insbesondere aber die werbefinanzierten Geschäfte der RTL Group und von Gruner + Jahr. Ferner hat sich der strukturelle Rückgang in den Druckgeschäften seit Ausbruch der Pandemie nochmals beschleunigt. Nicht bzw. gering betroffen sind die Dienstleistungs- und Bildungsgeschäfte sowie das Buchverlags- und Musikgeschäft. Aufgrund der hohen Ungewissheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie erfolgt die vorliegende Prognose unter einer deutlich höheren Unsicherheit als üblich. Unter der Annahme, dass sich das Pandemiegeschehen in der zweiten Jahreshälfte 2020 nicht erneut steigert, geht Bertelsmann von einem moderat bis deutlich rückläufigen Umsatz und einem stark rückläufigen Operating EBITDA für das Geschäftsjahr 2020 aus. Angesichts des rückläufigen Ergebnisses bei stabilem investierten Kapital ist mit einem stark abnehmenden BVA für den Konzern zu rechnen. Wesentliche operative Maßnahmen zur Steigerung des Free Cash Flow sowie zur Sicherung und Erhöhung der Liquidität des Unternehmens sind erfolgreich umgesetzt. Sämtliche Finanzverbindlichkeiten mit Fälligkeit in den Geschäftsjahren 2020 und 2021 wurden vorzeitig langfristig refinanziert und die zahlreichen ergriffenen Maßnahmen zur Senkung von Kosten und zur Zurückhaltung bei Investitionen werden bis auf Weiteres fortgesetzt.

Den Prognosen liegt die gegenwärtige Geschäftsausrichtung des Bertelsmann-Konzerns zugrunde, die im Kapitel „Unternehmensprofil“ dargelegt ist. Generell spiegeln die Prognosen eine Risiko- und Chancenabwägung wider; sie basieren auf der operativen Planung und der mittelfristigen Vorschau für die Unternehmensbereiche. Alle Aussagen hinsichtlich der möglichen zukünftigen konjunkturellen und geschäftlichen Entwicklung stellen Einschätzungen dar, die auf Basis der derzeit zur Verfügung stehenden Informationen getroffen wurden. Sollten die zugrunde gelegten Annahmen nicht eintreffen und/oder weitere Risiken eintreten, können die tatsächlichen Ergebnisse von den erwarteten Ergebnissen abweichen. Eine Gewähr für die Angaben kann daher nicht übernommen werden.