Grundlagen des Konzerns

Unternehmensprofil

Bertelsmann ist in den Kerngeschäftsfeldern Medien, Dienstleistungen und Bildung in rund 50 Ländern der Welt aktiv. Die geografischen Kernmärkte umfassen Westeuropa – vor allem Deutschland, Frankreich sowie Großbritannien – und die USA. Darüber hinaus verstärkt Bertelsmann sein Engagement in Wachstumsregionen wie Brasilien, Indien und China. Zu den Bertelsmann-Unternehmensbereichen zählen die RTL Group (Bewegtbild), Penguin Random House (Buch), Gruner + Jahr (Zeitschriften), BMG (Musik), Arvato (Dienstleistungen), die Bertelsmann Printing Group (Druck), die Bertelsmann Education Group (Bildung) und Bertelsmann Investments (Fonds).

Die Bertelsmann SE & Co. KGaA ist eine kapitalmarktorientierte, nicht börsennotierte Kommanditgesellschaft auf Aktien. Als Konzernholding übt sie zentrale Konzernfunktionen aus. Die interne Unternehmenssteuerung und -berichterstattung folgen der Unternehmensorganisation, die sich aus den operativen Segmenten und dem Bereich Corporate zusammensetzt.

Die Kapitalanteile der Bertelsmann SE & Co. KGaA werden zu 80,9 Prozent von Stiftungen (Bertelsmann Stiftung, Reinhard Mohn Stiftung, BVG-Stiftung) und zu 19,1 Prozent von der Familie Mohn mittelbar gehalten. Alle Stimmrechte in der Hauptversammlung der Bertelsmann SE & Co. KGaA und der Bertelsmann Management SE (persönlich haftende Gesellschafterin) werden von der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) kontrolliert.

Strategie

Bertelsmann strebt ein wachstumsstarkes, digitales, internationales und diversifiziertes Konzernportfolio an. Die Konzernstrategie umfasst dabei vier strategische Stoßrichtungen: Stärkung der Kerngeschäfte, digitale Transformation, Ausbau von Wachstumsplattformen sowie Expansion in Wachstumsregionen.

Im ersten Halbjahr 2020 konnte Bertelsmann durch sein diversifiziertes Konzernportfolio und den hohen Anteil digitaler Geschäfte die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie teilweise kompensieren. Zudem wurden weitere wesentliche Fortschritte entlang der strategischen Stoßrichtungen erzielt. Das umfassende Nachrichten- und Unterhaltungsangebot der Sender und Plattformen sorgte in den vergangenen Monaten für Rekordquoten, hohe Reichweiten und vielfach auch Marktanteilsgewinne bei der RTL Group. Ein wichtiger Meilenstein zur Stärkung der Kerngeschäfte war zudem die vollständige Übernahme von Penguin Random House. Die weltweit größte Publikumsverlagsgruppe ist damit nun eine hundertprozentige Unternehmenstochter von Bertelsmann. Zahlreiche G+J-Marken starteten neue Produkte und Initiativen, darunter die gemeinsame Aktion #stayathomeandcook von „Essen & Trinken“ und „Chefkoch“. Zugleich wurde die digitale Transformation von Bertelsmann weiter vorangetrieben. Dies zeigt sich unter anderem in der stark steigenden Anzahl der zahlenden Abonnenten bei den Streaming-Diensten TV Now und Videoland. Zudem wurde in Frankreich ein Joint Venture zwischen der RTL Group und Groupe M6 zum Auf- und Ausbau einer gemeinsamen Technologieplattform für Streaming-Geschäfte gegründet. Die in Deutschland bereits erfolgreich gestartete Bertelsmann Content Alliance wird zukünftig in Großbritannien in Form eines gemeinsamen Podcast-Produktionsgeschäfts von Fremantle, Penguin Random House, BMG und Dorling Kindersley ausgeweitet. Die Wachstumsplattformen von Bertelsmann verzeichneten vielfach positive Geschäftsverläufe und eine gestiegene Nachfrage nach digitalen Produkten und Lösungen. BMG schloss mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern wie Aloe Blacc und Jason Mraz globale Platten- sowie mit Erika Ender und Patricia Kelly globale Verlagsverträge. Zudem erzielten Künstlerinnen und Künstler sowie Songwriter von BMG bedeutende Charterfolge, so etwa Lewis Capaldi und Tame Impala. Arvato Financial Solutions stärkt seine Marktposition im Risikomanagementgeschäft durch ein Venture mit Experian und profitierte vom anhaltenden Wachstum der Kauf- auf-Rechnung-Lösung für einen Großkunden sowie vom Resterwerb des Kauf-auf-Rechnung-Anbieters MF Group. Die Bertelsmann Education Group verzeichnete eine erhöhte Nachfrage nach Online-Learning-Angeboten bei Relias und Udacity. Zudem festigte Bertelsmann die Präsenz in den Wachstumsregionen über Bertelsmann Investments. Mittlerweile hält Bertelsmann Investments im Wesentlichen über seine vier internationalen Fonds rund 240 Beteiligungen an Unternehmen und Fonds. Im Februar profitierte Bertelsmann Brasil Investments vom erfolgreichen Teilexit bei der indirekten Beteiligung an dem in Brasilien tätigen Bildungsanbieter Afya.

Wertorientiertes Steuerungssystem

Das übergeordnete Ziel von Bertelsmann ist die kontinuierliche Steigerung des Unternehmenswertes über eine nachhaltige Verbesserung der Ertragskraft bei einem gleichzeitig effizienten Kapitaleinsatz. Steuerungskennzahlen im engeren Sinne – hierzu zählen Umsatz, Operating EBITDA sowie der Bertelsmann Value Added (BVA) – dienen der unmittelbaren Beurteilung der laufenden Geschäftsentwicklung und finden dementsprechend Eingang in den Prognosebericht. Hiervon abgegrenzt werden Steuerungskennzahlen im weiteren Sinne verwendet. Zu diesen zählen die EBITDA-Marge sowie die Cash Conversion Rate. Die Steuerungskennzahlen werden teilweise aus sogenannten Alternativen Leistungskennzahlen ermittelt, die nicht nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) definiert sind. Diese sollten nicht isoliert, sondern als vervollständigende Information zur Beurteilung der Geschäftslage von Bertelsmann betrachtet werden. Hinsichtlich detaillierter Erläuterungen hierzu wird auf den Abschnitt „Alternative Leistungskennzahlen“ im zusammengefassten Lagebericht 2019 verwiesen.

Der Umsatz als Wachstumsindikator der Geschäfte ging im ersten Halbjahr 2020 um 8,9 Prozent auf 7.848 Mio. € (H1 2019: 8.612 Mio. €) zurück. Der organische Umsatzrückgang lag bei 7,9 Prozent. Das Operating EBITDA ist als das Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern, Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen festgelegt und um Sondereinflüsse bereinigt. Die Bereinigungen um Sondereinflüsse dienen der Ermittlung eines nachhaltigen, unter normalen wirtschaftlichen Gegebenheiten wiederholbaren operativen Ergebnisses, das nicht durch Sondersachverhalte oder strukturelle Verwerfungen beeinflusst wird. Zu den Sondereinflüssen zählen im Wesentlichen Wertminderungen und Wertaufholungen, Bewertungen zum beizulegenden Zeitwert, das Ergebnis aus Beteiligungsverkäufen und/oder Restrukturierungsaufwendungen. Hiermit eignet sich das Operating EBITDA als aussagekräftige Steuerungsgröße. Im Berichtszeitraum reduzierte sich das Operating EBITDA um 21,9 Prozent auf 1.009 Mio. € (H1 2019: 1.292 Mio. €).

Der BVA ist die Steuerungskennzahl zur Beurteilung der Ertragskraft des operativen Geschäfts und der Rentabilität des investierten Kapitals. Der BVA misst den über die angemessene Verzinsung des investierten Kapitals hinaus erwirtschafteten Gewinn. Diese Form der Wertorientierung findet sowohl in der strategischen Investitions- und Portfolioplanung als auch in der operativen Geschäftssteuerung ihren Ausdruck und bildet zusammen mit qualitativen Kriterien die Grundlage für die Bemessung des variablen Anteils der Managementvergütung. Der BVA berechnet sich aus der Differenz von Net Operating Profit After Tax (NOPAT) und Kapitalkosten. Ausgangsbasis zur Berechnung des NOPAT ist das Operating EBITDA. Unter Abzug von nicht in den Sondereinflüssen enthaltenen Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen auf immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen und Nutzungsrechte in Höhe von 451 Mio. € (H1 2019: 449 Mio. €) ergibt sich das Operating EBIT. Um den für die BVA-Berechnung zugrunde gelegten NOPAT von 391 Mio. € (H1 2019: 565 Mio. €) zu ermitteln, wurde ein pauschalisierter Steuersatz von 30 Prozent (H1 2019: 33 Prozent) berücksichtigt. Die Kapitalkosten entsprechen dem Produkt aus durchschnittlich anteilig investiertem Kapital und Kapitalkostensatz. Das durchschnittlich anteilig investierte Kapital belief sich auf 16,4 Mrd. € zum 30. Juni 2020 (H1 2019: 16,2 Mrd. €). Der Kapitalkostensatz beträgt einheitlich 8 Prozent nach Steuern, womit sich Kapitalkosten für den halbjährigen Berichtszeitraum in Höhe von 657 Mio. € ergeben (H1 2019: 646 Mio. €). Das durchschnittlich investierte Kapital ergibt sich quartalsweise aus den Vermögenspositionen der Bilanz, die dem operativen Betriebszweck dienen, abzüglich solcher Verbindlichkeiten, die dem Unternehmen unverzinslich zur Verfügung stehen. Im ersten Halbjahr 2020 lag der BVA bei -222 Mio. € (H1 2019: -46 Mio. €). Die Ermittlung des BVA erfolgt ohne Berücksichtigung des Unternehmensbereichs Bertelsmann Investments, da die Geschäftsentwicklung hier im Wesentlichen auf Basis des EBIT dargestellt wird. Somit ergibt sich methodisch kein NOPAT-Beitrag dieses Unternehmensbereichs. Aus Konsistenzgründen wird das auf den Unternehmensbereich Bertelsmann Investments entfallende investierte Kapital daher korrigiert, seine Kapitalkosten werden mithin neutralisiert.

Das finanzielle Steuerungssystem von Bertelsmann ist definiert durch die internen Finanzierungsziele, die im Abschnitt „Finanz- und Vermögenslage“ dargestellt werden. Diese Grundsätze zur Finanzierung werden bei der Steuerung des Konzerns verfolgt und fallen unter das wertorientierte Steuerungssystem im weiteren Sinne. Die ermittelten Finanzierungs- und Verschuldungskennzahlen zählen ebenfalls zu den Alternativen Leistungskennzahlen.